
Pride LookBook
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Es dürfte absolut niemanden überraschen, dass Yotam Pappo, CEO des Entwicklungsstudios Peerplay, das mobile Flaggschiff seines Unternehmens, Merge Cruise, als überbordendes, herrlich schräges Spaßfestival auf einem Kreuzfahrtschiff inszeniert hat.
Warum? Weil Pappo seit Jahrzehnten eine prägende Figur im Bereich der LGBTQ+-Unterhaltung ist. Vor seinem Einstieg in die Spielebranche leitete er Arisa, eine Nightlife- und Musikproduktionsfirma hinter einer bekannten Gay-Party für die nahöstliche Community in Israel und Brasilien. Außerdem verantwortete er Pophits und Gay-Hymnen in der Mizrachim-Musikszene (jüdische Musiktradition von Menschen aus dem Nahen Osten und Nordafrika).

„Ich habe den Großteil meines Lebens tatsächlich damit verbracht, LGBTQ+-Inhalte für heterosexuelles Publikum zu schaffen“, erklärt Pappo. „Mein Unterhaltungsgeschäft war sehr stark auf den Massenmarkt ausgerichtet – und es hat funktioniert!“
In Merge Cruise kombinierst du Gegenstände wie Strandtaschen und Badekleidung, machst damit Kasse und verhilfst so einem Kreuzfahrtschiff zu seiner früheren Pracht. Und wir wissen ganz genau, wie prachtvoll es einmal war, denn die Eröffnungssequenz des Spiels zeigt eine pulsierende Partyszene, geschmückt mit Pride-Flaggen – sowie den mysteriösen und tragischen Tod des Dragstars des Schiffs, Ella Vate.
Zur diesjährigen Pride-Saison hat das Team zahlreiche zusätzliche Features ergänzt. Es gibt ein Pride-Party-Album mit Sammelkarten aus 15 Sets, die verschiedene Facetten der LGBTQ+-Kultur feiern – darunter „Drag Ball“, „Stonewall ’69“, „Glitter Rave“ und vieles mehr. Außerdem können Spieler:innen den ganzen Juni über „Benny’s Pride Pins“ sammeln und an einem In‑Game-Event namens „Drag Brunch“ teilnehmen.
„In praktisch allen anderen Entertainment-Bereichen sieht man LGBTQ+-Inhalte, die sich an Frauen richten, die klassischen Casual-Gamerinnen“, sagt Pappo. „Zum Beispiel ‚Heated Rivalry‘, der größte TV-Hit des letzten Jahres, oder ‚Queer Eye‘.“
Natürlich ging es dabei um mehr als nur Business. Pappo, der selbst schwul ist, pflegt eine langjährige berufliche Beziehung mit Dean Simon, dem Art Director bei Peerplay, der ebenfalls schwul ist.

Dean und ich wollten ein Spiel für uns selbst machen.– Yotam Pappo, CEO von Peerplay
„Dean und ich wollten ein Spiel für uns selbst machen“, sagt Pappo. „Wir sind seit Jahren Spieler und haben lange gemeinsam in leitenden Positionen in der Spieleindustrie gearbeitet, aber es gab nie ein Spiel, in dem wir uns in Sachen Erzählung und Inhalt wirklich wiedergefunden haben.”
„Es gibt durchaus Spiele mit LGBTQ+-Charakteren, aber sie sind immer Nebenfiguren – der:die beste Freund:in oder die Comic-Relief-Figur“, ergänzt Simon. „Wir lieben solche Spiele auch, aber ich glaube, niemand war bisher mutig genug, diese Charaktere in den Mittelpunkt zu stellen und wirklich aufs Ganze zu gehen.“
In Merge Cruise dreht sich bei den zentralen Charakteren und Themen alles um LGBTQ+. Chris, der Designer, der deine Merge-Aktionen steuert, Tyrell, der Koch, und Mateo, der Regisseur, sind alle offen schwul, während Benny, der Handwerker, noch nicht geoutet ist. Die Protagonistin des Spiels, Kara, ist lesbisch. Allerdings erfährt man im Verlauf der Story erst nach und nach, wie sich das genau entwickelt, mit wem sie eine Beziehung eingeht und welche komplexen Dynamiken das zwischen ihr und dem Kapitän des Schiffs – ihrem Vater – auslöst. Natürlich lüftest du dabei auch ein Geheimnis, in dem es um eine Dragqueen geht.

„Wir wollten wirklich gute Repräsentation der gesamten Community ins Spiel bringen, aber es gleichzeitig sehr campy halten. Es war klar, dass wir zwei Dragqueens brauchen, die eine Fehde haben – das ist immer lustig. Wir wussten, dass es auch eine Liebesgeschichte geben muss und eine Figur, die sich nicht geoutet hat, aber versucht, ihre Gefühle auszudrücken“, erklärt Simon.
Als Mitglieder der LGBTQ+-Community hatten Pappo und Simon das Selbstvertrauen, diese Geschichten in den Mittelpunkt zu stellen.

„Es war uns sehr wichtig, dass wir nicht einfach irgendwas erfinden“, sagt Simon. „Abgesehen vom Mordfall basieren alle Geschichten und Beziehungen auf realen Ereignissen – aus unserem Freundeskreis, unserer Familie. Es war uns wichtig, dass es authentisch ist … Das kommt tief aus dem Bauch heraus.“
Gleichzeitig wollte das Team aber auch ein breites Publikum ansprechen. „Die meisten LGBTQ+-Spiele sind Nischenprodukte, reine Indie-Titel“, sagt Simon. „Als wir uns entschieden haben, voll auf ein LGBTQ+-Spiel zu gehen, wollten wir etwas für den Massenmarkt machen.“

„Bisher hat sich niemand getraut, LGBTQ+-Charaktere in den Mittelpunkt zu stellen.“– Dean Simon, Art Director bei Peerplay
Mit Merge Cruise ist ihnen genau das gelungen. „Oft spürt man bei Casual-Spielen keine emotionale Bindung. Wir haben viele positive Kommentare von Spieler:innen erhalten, die sich wirklich gesehen fühlen und sich mit dem Spiel identifizieren können. Das ist auch einer der Gründe, warum unsere Spieler:innen so lange dabeibleiben“, erklärt Simon.
„Einer unserer größten Vorteile ist, dass wir uns mit LGBTQ+-Unterhaltung bestens auskennen“, fügt Simon hinzu. „Mehr noch, es brauchte einfach den Mumm, die Entschlossenheit und die harte Arbeit, die – ohne angeben zu wollen – nur die Gays draufhaben.“